"Wir müssen mal reden …"

Kindersachbücher geben Tipps zur Pubertät

Auf Augenhöhe kommunizieren

Die Pubertät ist sowohl für Kinder als auch für Eltern keine einfache Zeit. Die Kinder werden größer, testen ihre Grenzen aus und grundsätzlich ist alles falsch, was die Eltern sagen. Die Sexualpädagogin Beate Martin verrät im Gespräch mit Ravensburger ihre Tipps im Umgang mit pubertierenden Kindern.

Die Sexualpädagogin Beate Martin weiß, was Mütter und Väter mit Kindern in der Pubertät beschäftigt, denn bei pro familia ist sie unter anderem für Elternabende und Elternberatung sowie Seminare und Fortbildungen zuständig. Hier gibt die Expertin Tipps, wie Eltern in der Pubertät mit ihrem Kind auf Augenhöhe über anstehende Themen sprechen können.

Tipp Nr. 1: Immer wieder das Gespräch suchen

Kinder in der Pubertät neigen dazu, sich zurückzuziehen – Jungen noch mehr als Mädchen. In dieser Entwicklungsphase möchten sie nicht mehr mit Eltern über sexuelle Themen sprechen oder die Fragen stellen, die sie eigentlich brennend interessieren. Sie wollen erwachsen sein, und dann weiß man eben schon alles. Doch gerade Jugendliche sind in der Bewältigung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit (Identität) und Sexualität auf Unterstützung durch Erwachsene angewiesen. Deswegen ist es hilfreich, wenn Eltern gut informiert sind und immer wieder Gesprächsanlässe suchen. Mit anderen Worten: Legen Sie großen Wert darauf, mit Ihrem Kind im Kontakt zu bleiben.

Tipp Nr. 2: Sachwissen hilft bei der Gesprächsvorbereitung

Informieren Sie sich über die körperliche und psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und tauschen Sie sich darüber aus – ob untereinander, mit guten Freunden oder anderen Eltern. Hilfreiche Informationsquellen sind Sachbücher, Elternratgeber oder auch die Webseiten der pro familia. Pro familia bietet auch Elternseminare zum Thema Pubertät an, auf denen man sich prima sich informieren und austauschen kann. Die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) stellt online verschiedene Broschüren zum Thema Pubertät als Download bereit. Machen Sie sich als Eltern klar: Das Austesten von Grenzen sowie Normverstöße sind im Jugendalter häufiger als in jeder anderen Lebensphase. Darauf kann man sich vorbereiten.

Tipp Nr. 3: Intimsphären schaffen und achten

Aus verschiedenen Studien und Befragungen (z.B. BZgA Jugendsexualität 2015) wissen wir, dass die Sexualität der Jugendlichen heutzutage zunehmend im Elternhaus stattfindet. Deshalb ist es besonders wichtig, dass in den eigenen vier Wänden die Privatsphäre von Kindern und Eltern geschützt wird. Das Schlafzimmer der Eltern und das Zimmer des Kindes (der Kinder) gehören ebenso wie das Badezimmer zum Bestimmungs- und Intimbereich jedes Einzelnen in der Familie. Also „Bitte anklopfen!“ – das gilt noch einmal besonders, wenn Besuch da ist.

Tipp Nr. 4: Verantwortungsbewusstsein stärken


Dieser Tipp bezieht sich vor allem auf das Verhalten der Jugendlichen in schwierigen oder auch sexuellen Situationen. Nur wenn ein Kind frühzeitig lernt, dass sein Handeln auch Konsequenzen hat, wird es in der Lage sein, zunehmend Selbstverantwortung – zum Beispiel beim Thema Verhütung – zu übernehmen. Eine schwierige Situation allein zu meistern trägt zudem zur Stärkung des Selbstwertgefühls bei. Dazu gehört auch, dass Jugendliche lernen, bestimmte Grenzen und Regeln einzuhalten und Konsequenzen zu spüren, wenn diese überschritten oder missachtet werden.

Tipp Nr. 5: Unterstützen – auch wenn nicht alles glattläuft.

Selbst wenn Ihr pubertierendes Kind nicht immer freundlich ist – es braucht emotionale Unterstützung. Unterstützend ist, Kinder nicht zu moralisieren, wenn mal etwas schiefgelaufen ist. Hilfreicher und für zukünftige Situationen sehr viel nützlicher als eine Moralpredigt ist eine inhaltliche Auseinandersetzung zwischen Eltern und Kind über die Problematik. Mit einer gehörigen Portion „Auseinandersetzung“ ist Ihr Kind für den Weg ins Erwachsenwerden gut gewappnet.

Klickenswert: Die besten Info-Portale für Jugendliche und Eltern

Informationen, Beratung und Hilfe: fünf Webseiten für alle, die mehr über Aufklärung, Jugendliche und Eltern, Liebe, Sex oder Verhütung wissen wollen.

www.loveline.de
Informatives Jugendportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit vielen spannenden Themen wie zum Beispiel Aussehen, Körper, Arztbesuche, Verlieben, Beziehungsprobleme, Verhütung, Liebe, Das erste Mal oder Sex. Dazu gibt es Umfragen, Mitmach-Tests, Rat und Hilfe für Mädchen und Jungen.

www.profamilia.de/jugendliche.html
pro familia ist der führende und sehr kompetente Verband zu den Themen Sexualität, Partnerschaft und Familienplanung in Deutschland, für Jugendliche gibt es auf der Webseite einen extra Bereich, der äußerst umfangreich ist, dazu bundesweit rund 180 Beratungsstellen.

www.bzga.de/infomaterialien/sexualaufklaerung/
Ob spezielle Mädchen- und Jungenprobleme, Infos zu Pille, Kondom und Co, zur ersten Liebe oder zu rechtlichen Fragen (Was darf ich? Welche Rechte habe ich?), die Jugendliche beschäftigen können: In der Broschüren-Reihe „sex ’n’ tipps“ werden alle wichtigen Themen aufgegriffen – auch als Download. Dazu findet man im Bereich Sexualaufklärung auch andere spannende Infomaterialien, z.B. „Über Sexualität reden“ oder „Reden in der Pubertät“.
www.bzga.de/infomaterialien/sexualaufklaerung/ueber-sexualitaet-reden-zwischen-einschulung-und-pubertaet/
www.bzga.de/infomaterialien/sexualaufklaerung/ueber-sexualitaet-reden-die-zeit-der-pubertaet/

www.familienhandbuch.de
Die Webseite des bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) bietet eine umfangreiche Artikelsammlung zur Pubertät: Lesenswerte Beiträge wie „Pubertät oder Eltern sind peinlich“, „Auf der Suche nach Rat – Bravo als Ersatz“ oder „Teenager – Umbruch, Krisen und Suche nach Sinn“.

www.nummergegenkummer.de
Nummer gegen Kummer e.V. ist der Dachverband des größten kostenfreien telefonischen Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern in ganz Deutschland. Es gibt ein Kinder- und Jugendtelefon und ein Elterntelefon. Egal, ob man vom Handy oder Festnetz anruft: Das Team des Kinder- und Jugendtelefons berät kostenfrei montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr, die Nummer lautet 116 111. Das Elterntelefon ist montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr und dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr besetzt unter der Nummer 0800 111 0550.
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