Krümel und Fussel

Joëlle Tourlonias und Judith Allert im Interview

Vergrunzt noch mal!

In der Bilderbuch-Reihe „Krümel und Fussel“ spielen zwei Wollschweine die Hauptrolle. Die frechen und liebenswerten Tiere gibt es wirklich – auf dem Bauernhof der Kinderbuchautorin Judith Allert. Für sie und ihre Freundin, die Illustratorin Joëlle Tourlonias, ist „Krümel und Füssel“ ein Herzensprojekt, das sie gemeinsam mit viel Spaß und Kreativität entwickelt und umgesetzt haben. Im Interview mit Ravensburger verraten Sie uns, warum genau diese Wollschweine im Mittelpunkt stehen.

Krümel und Fussel - Immer dem Rüssel nach

Für die beiden Wollschweine Krümel und Fussel gibt es nichts Schöneres, als sich stundenlang im Schlamm zu suhlen - bis sie eines Tages vom Fernweh gepackt werden. Sie wollen wissen, was das leuchtende Ding am Himmel ist, das sie entdeckt haben.

Ihre Neugier ist stärker als ihre Angst vor dem Unbekannten und so verlassen sie wagemutig zum ersten Mal im Leben ihr Zuhause.

Judith, warum haben Sie sich für das Leben auf einem Hof entschieden?

Judith Allert: Ich liebe Tiere und habe mir schon immer gewünscht, so einige davon um mich herum zu haben. Außerdem bin ich sehr naturverbunden und die Hofarbeit an der frischen Luft, rund um den Stall und den großen Gemüsegarten, Spaziergänge mit den Hunden und Ausritte sind der perfekte Ausgleich zum Grübeln am Schreibtisch.

Auf Ihrem Hof gibt es viele Tiere. Wie haben es ausgerechnet Krümel und Fussel ins Buch geschafft?

Judith: Viele kennen Wollschweine gar nicht und jeder, der Krümel und Fussel auf meinem Blog begegnet oder auch persönlich kennen lernt, ist sofort begeistert. Wenn mich fremde Leute ansprechen, bin ich immer „die Autorin mit den Wollschweinen‟. Die beiden haben also absolutes Starpotential – und mit ihrer dicken Wolle sehen sie auch noch aus wie die perfekten Bilderbuchschweine!

Wie alt sind Krümel und Fussel? Wie haben sie sich verändert?

Judith: Die beiden sind jetzt drei Jahre alt. Seit sie bei uns eingezogen sind, haben sie etwa 200 Kilo zugenommen. Als Krümel und Fussel noch Ferkel waren, mussten wir aufpassen, dass sie sich nicht durch eine kleine Zaunritze auf und davon machen. Mittlerweile könnten sie den Zaun mit einem Rüsselstüber einfach umwerfen. Zum Glück sind die beiden sehr anständig – also meistens ;-)

Joëlle, wie war es den beiden das erste Mal gegenüber zu stehen?

Joëlle: Sehr beeindruckend und respekteinflößend – die beiden sind gigantisch! Aber nachdem Judith uns einander vorgestellt hat und wir alle zusammen Bananen gefuttert haben, war das Eis gebrochen. Ich wünschte, ich hätte die beiden auch schon als minikleine Ferkelchen kennengelernt...

Um die Emotionen der Wollschweine möglichst realistisch auf Papier zu bringen, haben Sie auf dem Hof recherchiert. Was haben Sie dabei über die Schweinchen erfahren?

Joëlle: Ich musste bei der Bilderbuchumsetzung ein bisschen tricksen. Die riesigen Wollschwein-Schlappohren verdecken eigentlich das halbe Gesicht, aber bei einer Bilderbuchfigur sollte man wenigstens die Augen sehen können. Deswegen sind die Ohren bei den gezeichneten Schweinchen etwas nach oben geklappt. Außerdem habe ich den beiden Wollschweinen im Buch einen Nacken bzw. den Ansatz eines Halses gezeichnet, um sie etwas zu vermenschlichen und um dadurch mehr Spielraum für die Körpersprache zu bekommen.

Wie war es für Krümel und Fussel für Joelle „Modell“ zu stehen?

Judith: Sie grunzen heute noch begeistert von der Begegnung mit der Star- und Stall-Illustratorin!

Die Karriere der beiden Wollschweine begann mit der „Wollschweinpoesie“ auf ihrem Blog „Das stille (W)örtchen“. Was sagen Krümel und Fussel zu ihrem neuen Dasein als Bilderbuchstars?

Judith: Die beiden freuen sich schon riesig darauf, ihre ersten Rüsselogramme zu geben! Meinen Vorschlag, für den Medienrummel etwas mehr auf ihre Figur zu achten, fanden sie allerdings nicht so toll. Das Wichtigste für sie ist, dass sie auch als Bilderbuchstars noch genug Zeit für ausgiebige Nickerchen haben werden.

Wer sorgt dafür, dass die Locken von Krümel und Fussel immer perfekt liegen?

Judith: Unter Krümel und Fussels WG-Mitbewohnern, den Hühnern, gibt es zwei sehr talentierte Damen – die zupfen mit ihren Schnäbeln die Locken liebevoll zurecht ;-) Ansonsten lassen sich die Schweine auch sehr gerne und ausgiebig bürsten.

Wie geht es weiter mit den beiden Wollschweinfreunden?

Judith: In Band 2 der Bilderbuchreihe begegnen Krümel und Fussel sehr seltsamen Wesen, die sie noch nie gesehen haben - Schafen! Weil Krümel und Fussel Angst vor ihnen haben, tun sie so, als ob sie auch Schafe sind. Allerdings haben Schafe und Wollschweine bis auf ihre Lockenpracht nicht ganz so viel gemeinsam und so wird es ziemlich turbulent… Im echten Leben werden Krümel und Fussel auch weiterhin das tun, was sie am liebsten machen: Suhlen, Buddeln, Mampfen und Nickerchen.

Krümel und Fussel - Der Buchtrailer

Krümel und Fussel - Der Buchtrailer

Krümel und Fussel - Der Buchtrailer

Hintergrundinformation: Wollschweine

Das Wollschwein kommt ursprünglich aus Ungarn und zeichnet sich durch ein Fell mit Unterwolle und lockigen Borsten aus. Der wissenschaftliche Name „Mangalica-Schwein“ basiert auf dem serbo-kroatischen „mangala svinja – Schwein, das sich gut ernährt“.

Dank des warmen, wolligen Fells sind Wollschweine robuster, kälteresistenter und anspruchsloser als andere Hausschwein-Rassen. Die Farbausprägungen reichen von gelblichem Weiß, über dunkles Rot bis hin zu Schwarz. Es gibt „Blonde Mangalica“ und „Rote Mangalica“, die dunkler sind und leicht rötlich braune Schattierungen aufweisen. Das „Schwalbenbäuchige Mangalica-Schwein“ ist im Gegensatz zu seinen Artgenossen zweifarbig.

1999 wurde die vom Aussterben bedrohte Art zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ erklärt, heute wird das Mangalica-Schwein wieder in ganz Europa gezüchtet und ist vor allem im deutschsprachigen Raum sowie seiner Heimat Ungarn sehr beliebt.

Wollschweine können fast einen Meter groß und recht kraftvoll werden, ihr neugieriges Wesen treibt sie schon einmal dazu, Gartenzäune auseinander-zunehmen oder Schubkarren samt Inhalt in den Matsch zu kippen.

Mangalica-Schweine sind sehr sozial und daher großfamilientauglich, was Krümel und Fussel auf Judith Allerts Hof jeden Tag unter Beweis stellen.

Das Leben auf Judith Allerts Bauernhof im Blog http://das-stille-woertchen.de und auf Facebook.
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