Seit wann tragen Menschen eigentlich Schuhe? Gab es schon immer so viele verschiedene Modelle wie heutzutage? Und wie entstehen bestimmte Schuhmoden?

Sieben spannende Fakten – für kleine und große Schuh-Fans

1. Die Ur-Ur-Ur-Schuhe aus der Steinzeit

Auch wenn es immer heißt, barfuß laufen sei schön und gesund – das menschliche Bedürfnis, die nackten Füße zu schützen, ist dennoch uralt. Schließlich enden in jedem unserer Füße über 7.000 empfindliche Nerven, die uns beim Gehen und Balancieren über verschiedenste Oberflächen helfen. Schon die Neandertaler vor über 40.000 Jahren haben sich Tierfelle oder Häute um die Füße gewickelt, damit sie vor Kälte, Dornen oder spitzen Steinen geschützt sind. Ötzis Schuhe zum Beispiel, gut 5.000 Jahre alt, waren aus Hirschfell, Grasfasern und Lindenbast, die Sohle aus Bärenfell.


2. Wende- und Schnabelschuhe im Mittelalter

Im Mittelalter gab es schon verschiedene Schuh-Typen: zum Schnüren, Knöpfen oder Reinschlüpfen, mit Riemen oder Schnallen. Meist wurden die Schuhe aus gegerbtem Leder hergestellt, erst auf links genäht und dann gewendet. Ob man sich Schuhe allerdings leisten konnte, war eine ganz andere Frage. Für die mittelalterlichen Schnabelschuhe jedenfalls gab es eine strenge Trageordnung. Die bis in die Spitze gebogenen Schuhe zeigten nämlich an, welchen adligen oder bürgerlichen Stand ihr Träger oder ihre Trägerin in der Gesellschaft hatte – und je länger der Schnabel war, desto wichtiger war ihr Besitzer.

3. Die ersten hohen Absätze

Im Mittelalter sind auch die ersten Absätze aufgekommen. Vermutlich, weil es damals noch keine Kanalisation in den Städten gab und die Straßen deshalb äußerst verdreckt waren. Als Vorgänger der Absätze gelten die Trippen – plateauartige Holzsandalen mit einem Lederriemen über dem Spann. Diese Trippen zog man sich als Schutz über die feinen Lederschuhe, damit die dünnen Sohlen nicht nass und schmutzig wurden. In Venedig, schon immer sehr modebewusst, gab es im 16. Jahrhundert bis zu einem halben Meter hohe Sockelschuhe – sogenannte Chopinen. Verließ eine Dame in Chopinen ihren Palazzo, musste sie von Zofen oder Bediensteten begleitet und gestützt werden.

4. „Moderne“ Schuhvielfalt im 19. Jahrhundert

Das Leben im 19. Jahrhundert wurde deutlich von der industriellen Revolution und ihren Folgen bestimmt. Die gesellschaftliche Aufteilung in Adel und Volk gab es nicht mehr, mit dem Bürgertum entstand eine deutliche Geschlechtertrennung. Die Männer trugen zur Arbeit rustikales, strapazierfähiges Schuhwerk. Und die Frauen, die jetzt zum ersten Mal nicht mehr nur bodenlange Röcke trugen, zeigten ihre Füße in feinen Satinschuhen oder zierlichen Stiefeletten. In den neuen Fabriken konnten Schuhe nun deutlich preiswerter produziert werden – ein wahrer Schuh-Boom entstand. Plötzlich war ein gutes Paar Schuhe fast für jeden erschwinglich. Heute besitzt jeder Deutsche im Durchschnitt zwölf Paar Schuhe.

5. Kinderschuhe – für viele kleine Schritte

Babyschuhe, Lauflernschuhe, Kinderschuhe – selbst für die Allerkleinsten gibt es je nach Bedürfnis schon ein differenziertes Angebot an unterschiedlichen Schuhen. Babys brauchen genau genommen noch gar keine Schuhe, da sie meist liegen, krabbeln oder sitzen. Laufen lernen sie ja erst mit ein bis eineinhalb Jahren. Aber selbst dann ist es sinnvoll, Kinder noch ohne Schuhe üben zu lassen, weil sich die vielen verschiedenen Fußmuskeln so am ungestörtesten entwickeln und kräftigen können. Auf keinen Fall sollten empfindliche Kinderfüße in zu enge Schuhe gesteckt werden!

6. Sneaker – der Siegeszug der Sportschuhe

Sport- oder Turnschuhe – auch Sneaker genannt – werden aus synthetischen Kunststoffen hergestellt. Die passen sich dem Fuß super an und haben gute Sprung- und Dämpfungseigenschaften. Ursprünglich wurden diese Schuhe natürlich für Sportler erfunden, aber heute werden sie weltweit von fast allen Alters- und Bevölkerungsgruppen getragen. Richtig los ging der Trend in den 1920er-Jahren mit den knöchelhohen amerikanischen Converse All Stars, von ihren Fans „Chucks“ genannt – nach dem berühmten Basketballspieler Chuck Taylor. Mick Jagger hat übrigens 1971 in Chucks geheiratet, Joschka Fischer hat sich 1985 in weißen Turnschuhen zum Umweltminister vereidigen lassen.

7. Sommer an den Füßen: Sandaletten, Flip-Flops & Co.

Die alten Ägypter haben vor ungefähr 3.500 Jahren offene Schuhe aus Gras oder Leder geflochten und damit quasi die ersten Riemchensandalen erfunden. Im Sommer sind Sandalen, Sandaletten oder Flip-Flops eine bequeme, leichte und luftige Alternative zu geschlossenen Schuhen und sorgen darüber hinaus mit poppigen Farben und bunten Schmuckornamenten für gute Laune von Kopf bis Fuß.