Homeoffice mit Kindern

Das Höllenkommando

Anke Brinkmann neben Schreibmaschine

Von Anke Brinkmann

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Im Homeoffice mit Kindern

Während Berufsgruppen wie Bäckereifachverkäuferinnen, Busfahrer, Polizisten, Krankenschwestern, Chirurgen und viele andere sich sagen wir mal sehr schwertun würden, ihre Arbeit mit nach Hause zu nehmen, ist es mittlerweile sehr vielen Schreibtischhelden möglich, von zu Hause zu arbeiten.

Eigentlich eine gute Sache, wenn man die Möglichkeit hat, mal ab und zu das Büro nach Hause zu verlegen. Vor allem jetzt in der Krise, es wäre absolut undenkbar was passieren würde, in Zeiten von Quarantäne und Schulschließungen, wenn niemand die Möglichkeit dazu hätte. Allerdings meldet sich so manche Mutter bereits heute, kaum zwei Wochen nachdem die Kinderbetreuung nicht mehr verfügbar ist, bei ihrer Krankenkasse den Bedarf für eine Kur- oder Rehamaßnahme an, mindestens aber einen Termin bei der Kosmetikerin für irgendwann in ferner Zukunft, um die tiefen Furchen doch nochmal aus dem Gesicht zu bekommen….
Bei mir sieht das Homeoffice zum Beispiel so aus: Mein Mann, die Tochter und ich leben in München im Hochhaus, in einer 3 Zimmer Wohnung. Diese überschaubare Wohnfläche ohne Garten und umzingelt von hunderten von Menschen, die ab und zu Klavier üben oder den Fernseher laut aufdrehen, teilen wir uns zurzeit ganztags zu Dritt.
Am Tag 1 der Heimarbeitsphase wurde nach der ersten Telefonkonferenz meines Mannes mit Kollegen aus Italien und Indien klar, dass wir für ihn einen exklusiven Arbeitsplatz im Kinderzimmer schaffen müssen. Er saß bei eben dieser Telefonkonferenz am Schreibtisch im Wohnzimmer, während ich versuchte einen möglichst witzigen Text zu schreiben und meine Tochter probierte, ein schönes Puzzle zu legen. Leider konnten wir nicht nur meinen sekündlich ärgerlicher werdenden Mann hören, sondern die Stimmen des internationalen Kollegiums drang durch den Kopfhörer zu uns. Genervt tauschten meine Tochter und ich Blicke aus und zogen unsere Jacken über... allerdings war mein Mann ebenso genervt, weil er unser Augenrollen sah und sich natürlich angegriffen fühlte. Ich sage es ehrlich… es krachte ganz ordentlich schon an Tag eins.
Der Schreibtisch landete im Kinderzimmer und dort gibt es jetzt einen ruhigen Arbeitsplatz für meinen Mann, der tatsächlich fast immer telefonieren muss, ich arbeite nach wie vor in einem Raum mit meiner Tochter. Das geht in den Momenten, wo sie auch mit Hausaufgaben beschäftigt ist ganz gut. Alles andere mache ich morgens von 4-7 Uhr, weil ich abends zu müde bin und so früh niemand außer Mutti freiwillig aufsteht.
Meine Tochter und ich haben uns einen Stundenplan gemacht und versuchen den eisern einzuhalten. Auf dem Plan steht alles was wir täglich machen, von Mittagessen bis Bewegung an der frischen Luft. Wenn meine Arbeit es nicht erlaubt, dass ich den Programmpunkt „Spielen“ mit ihr absolviere, dann schnappt sich meine Kleine den tiptoi®- der hat ja gottseidank einen Kopfhöreranschluss und lehrreich ist das obendrein.

Insgesamt muss man sagen, dass wohl aktuell extrem vielen Menschen bewusst wird, wie wichtig Jobs wie Lehrer, Erzieher und so weiter sind. Für irgendwas muss diese Krise ja gut sein. Wenn die Ausgangsbeschränkungen irgendwann vorbei sein werden, habe ich eine Menge nachzuarbeiten, weil ich ja im Homeoffice zusätzlich als Erzieherin und Lehrerin arbeite. Ein bisschen auch als Familientherapeutin… auch dieses Schicksal werden die meisten Mütter teilen…
Ach ja, noch etwas Gutes. Weil wir tagsüber viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, um lehrreiche Kinderprogramm zu schauen, kommt jeden Abend ein Brettspiel auf den Tisch. Aktuell spielen wir, passend zu dem verrückt geworden Alltag, aus dem so mancher einen Weg nach draußen sucht, „Das verrückte Labyrinth“ und haben ordentlich viel Spaß gemeinsam.
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Anke Brinkmann
Anke Brinkmann lebt mit ihrem Mann und der fünfjährigen Tochter in München. Sie liebt es, Familiengeschichten zu schreiben – ihre eigenen und auch die von anderen. Dabei ist es ihr besonders wichtig, vom echten, ungeschminkten Leben als Familie zu erzählen. Zum Brüllen komisch und manchmal nervig und fordernd bis zum Anschlag! Als Autorin ihres persönlichen Blogs muttiglueck.de erreicht Anke jeden Monat sehr viele Eltern und hört sehr viele Geschichten. Einige davon teilt sie hier in ihrer Mama-Kolumne mit uns.

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