Wie man bei Kindern den Ehrgeiz weckt

Neugier wecken und Motivation stärken

Der Drang, etwas zu erreichen, steckt in uns allen. Schon Babys robben mit aller Kraft vorwärts, wenn ein Spielzeug ihre Aufmerksamkeit erregt. Was für ein tolles Gefühl, wenn das Ziel greifbar ist. Neugier und Geduld spielen auch später eine wichtige Rolle, wenn Eltern den Ehrgeiz ihrer Kinder fördern wollen

Was bedeutet Ehrgeiz?

Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Althochdeutschen und setzt sich zusammen aus „êre“ (Ehre) und „gite“ (Begehren). Damals im frühen Mittelalter, als sich das Rittertum herausbildete, bezeichnete „Ehrgeiz“ den Drang des Ritters, sich mit Tapferkeit und Mut gesellschaftliche Anerkennung (Ehre) zu verdienen. Über die Jahrhunderte galt Ehrgeiz mal als Tugend, mal als Unart. Heute bedeutet Ehrgeiz laut Definition ganz neutral das menschliche Streben nach persönlichen Zielen – wie Anerkennung, Erfolg, Wissen oder Macht.

Zwei Seiten einer Medaille

Ein ehrgeiziges Kind will etwas erreichen oder schaffen. „Gesunder“ Ehrgeiz kann es beflügeln und anspornen, er macht das Kind kompetent, ja sogar kreativ, und sein Interesse an der Sache selbst ist dabei idealerweise größer als der Wunsch nach Anerkennung von Eltern oder Lehrern. „Krankhafter“ Ehrgeiz bedeutet übertriebenes Wettbewerbsdenken, bei dem es nur noch ums Siegen geht. Ein Leistungsdruck, der das Kind verbissen und einsam machen kann. Es gilt also, das rechte Maß zu finden. Und dabei können Eltern helfen.
Die gute Nachricht ist, dass Ehrgeiz sich im Lauf der Zeit verändert, wie Forscher herausfanden, und junge Menschen per se einen größeren Ehrgeiz haben als ältere. Die noch bessere Nachricht ist: Ehrgeiz mag zwar zu einem gewissen Teil angeboren sein, aber er lässt sich auch trainieren. Mit folgenden Tipps.

Die innere Motivation stärken

Psychologen unterscheiden zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Ersteres bedeutet, dass ein Kind aus eigenem, innerem Antrieb heraus handelt. Letzteres, dass es eher fremdbestimmt agiert. Beispiel Schule: Anna geht in die dritte Klasse und hat in der Sachkunde-Arbeit über Wale und Delfine eine Zwei bekommen. Sie hat gerne darauf gelernt, weil sie die Meeressäuger toll findet, und ihre Begeisterung mit der Mutter geteilt. Als die Tochter nach Hause kommt, fragt die Mutter nicht gleich nach der Note, sondern nach dem Thema und welche Fragen Anna besonders mochte. So zeigt sie ihr Interesse und vermittelt der Tochter, dass nicht Leistungsbeweise wie Noten, sondern der Stoff an sich wichtig ist.

Den eigenen Ehrgeiz zügeln

„Eislaufmütter“ oder „Tennisväter“ wollen ihre Kinder mit Druck zu Höchstleistungen antreiben. Wenn die Sprösslinge jedoch kein sonderliches Interesse an diesem Sport haben, hilft auch kein Zwang. Im Gegenteil: Sind die elterlichen Erwartungen zu hoch, fühlt sich das Kind bald überfordert, frustriert und verliert das Vertrauen zu sich selbst – und zu Mutter oder Vater. Eltern dagegen, die ihren Kindern ungezwungene Leidenschaft und Engagement vorleben, indem sie in ihrer Freizeit etwa begeistert Ski fahren oder Klavier spielen, wecken schon früh deren Interesse. Und zwar ganz nebenbei.

Kleine Schritte führen auch vorwärts

Oder wie ein chinesisches Sprichwort sagt: „Der Mensch, der Berge versetzte, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.“ Das Alter und die Leistungsfähigkeit des Kindes geben den Maßstab und das Tempo vor. Es macht keinen Sinn, ihm schon früh möglichst viel beibringen zu wollen. Besser ist es, seine Grenzen zu akzeptieren und kleine Erfolge anzuerkennen. Denn jedes Erfolgserlebnis spornt an.

Kein Kind ist wie das andere

Und daher ist es kontraproduktiv, Sohn oder Tochter mit dem Nachbarskind oder dem Sprössling der besten Freundin zu vergleichen. Das Kind spürt die elterliche Enttäuschung und ist frustriert. Außerdem fördern solche Vergleiche ein Konkurrenzdenken, bei dem es nur noch ums Siegen geht – und nicht um den Spaß am Tun. Also besser den reflexhaften Vergleichsgedanken unterdrücken und auf gar keinen Fall aussprechen.

Geduld haben

Kinder sind von Natur aus aktiv und lernbegierig. Kleine neugierige Entdecker, die im Wald auf Bäume klettern, Laubhaufen untersuchen, Kaulquappen im Tümpel bestaunen. Wieder ein Lernfortschritt, denkt die Mutter angesichts der dreckigen Hosen – drückt ein Auge zu und fragt den Sohn, was er auf seiner „Forschungsreise“ erlebt hat. Kinder entwickeln sich zudem sprunghaft, Umwege und Rückschritte gehören einfach dazu. Und sie begeistern sich gerne für Dinge, die Erwachsenen nicht unbedingt sinnvoll oder effizient erscheinen. Doch auch beim Sammeln von Pokémon-Karten oder beim Üben von Zaubertricks sind sie mit dem Herzen dabei. Und werden von Mal zu Mal besser. Ehrgeiz auf Kinderart eben.
Warum uns Rekorde so faszinieren

Immer schon gab es Menschen, die sich durch Höchstleistungen von den anderen abhoben. In früheren Zeiten wurden sie Stammesführer, später Könige und sorgten mit ihren außerordentlichen Eigenschaften dafür, dass die Menschen, die von ihnen abhängig waren, in Sicherheit leben konnten. Auch bei den ersten Olympischen Spielen in der Antike ging es um die Kür der Besten zur Sicherung Griechenlands. „Citius, altius, fortius“ – schneller, höher, stärker –, das Prinzip gilt noch heute. Doch jetzt vor allem zum Staunen und als Ansporn. Wir bejubeln die Sieger, finden sie attraktiv und nehmen sie uns zum Vorbild. Nicht zu vergessen die mutigen Abenteurer und Grenzgänger, die mit ihren Pioniertaten neue Kontinente entdeckt (Kolumbus, James Cook), die höchsten Berge bestiegen (Reinhold Messner) oder den Weltraum (Neil Armstrong) erobert haben. Sie brachten die Menschheit voran.

Rekordverdächtig ist auch das Guinness-Buch der Rekorde. 50.000 Rekorde hat es seit 1955 gesammelt und jährlich erscheinen 4.000 neue. Was mit der Frage an den Geschäftsführer der irischen Guinness-Brauerei, Sir Hugh Beaver, auf einer Vogeljagd nach dem schnellsten Federwild Europas begann, gipfelt heute in Höchstleistungen von Einzelnen, Familien und ganzen Städten. Und es zeigt uns, dass „es nie zu spät ist, etwas Neues auszuprobieren“, wie die älteste Gymnastin der Welt, Johanna Quaas, 87, betont.

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