Ab in den Urlaub

Die ganze Familie spielt mit!
Anke Brinkmann

Von Anke Brinkmann

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Die Eltern spielen zunächst mal Lotto. In der Hoffnung, die Reisekasse noch ein bisschen aufzubessern, klappt meistens nichts, aber versuchen muss man es einfach. Es wäre doch zu schön, wenn man einmal im Jahr überhaupt nicht aufs Geld schauen müsste und gerade in fremden Ländern kosten für uns ganz normale Dinge, wie zum Beispiel das vergessene Lieblingsshampoo, plötzlich ein Vermögen.


Wenn es dann, trotz fehlender Finanzspritze, näher auf den Abreisetermin zugeht, fängt die ganze Familie an zu puzzeln. „Puzzeln? Dafür hat man kurz vor dem Urlaub doch gar keine Zeit“, werden Sie sagen. Doch hat man. Jedes Familienmitglied legt zunächst einmal heraus, welche Puzzleteile alle in den stets zu kleinen Koffer passen müssen. Mutti hat zwei Kulturbeutel dabei, weil es ohne den Lockenstab wirklich nicht geht. Die Kinder wollen die aufblasbare Schildkröte mitnehmen, obwohl das Tier 1,20 m auf 1,60 m misst. „Aber die ist doch von Oma!“, sagen sie wie aus einem Mund und schauen traurig. Zusätzlich müssen mindestens drei Plüschtiere pro Kind eingepackt werden. Vati ist der Ansicht, die letzten vier Ausgaben seiner abonnierten Zeitschrift, für die er im Rest des Jahres nie Zeit hat, müssen auch noch mit. Schließlich hat er den kleinsten Koffer. Mit großer Sorgfalt und trickreichen Puzzlekünsten wird alles, außer die überdimensionierte Schildkröte, in die Koffer gequetscht. Zum Abschluss dürfen sich beide Kinder auf die Koffer setzen, damit Vati sie mit roher Gewalt verschließen kann. Von außen betrachtet wirken die überforderten Gepäckstücke, als würden sie platzen, wenn sich eine Stubenfliege draufsetzt.


Die Familie bringt das Gepäck in die Garage. Dieses Jahr wird mit dem Auto verreist. Jetzt beginnt die nächste Puzzlerunde. Vati flucht leise vor sich hin und füllt die kleinsten freien Flächen mit Gepäck. Am Ende passt sein Koffer nicht mehr in das Puzzle-Auto und er holt fünf Plastiktüten, in die er seine Sachen legt, damit sie im Fußraum vor den Kindern noch einen Platz finden. Seine Zeitschriften hat er zuerst ins Auto gepackt – die liegen unter dem Kofferraum auf dem Reserverad. Wäre doch gelacht, wenn er im Urlaub nicht zum Lesen käme.
Auf der Autobahn hüpft die Familie von Stau zu Stau, die Kinder spielen derweil „Dein Arm ist auf meiner Seite, das will ich nicht!“ und „Sind wir gleich da?“. Mutti spielt „Ich esse ein Gummibärchen, das du nicht siehst“, weil sie nur eine Tüte gekauft hat und befürchtet, dass eine öffentliche Verteilung des raren Rohstoffes für Mord und Totschlag auf der Rückbank sorgen würde. Vati spielt tibetanische Gebetsmühle und wiederholt laufend den Satz: „Psst, seid mal still, sonst höre ich den Verkehrsfunk nicht.“ Insgesamt ist die Reise absolut nervenaufreibend und kein gelungener Urlaubsanfang. Die Eltern denken beide darüber nach, dass man auch daheim prima Urlaub machen kann, aber das Hotel ist gebucht und kann nicht storniert werden.
Da besinnt sich die Mutter auf die Tüte zu ihren Füßen. Oma hat den Kindern noch eine Kleinigkeit besorgt. „Das muss die Stimmung aufheitern. Vielleicht sind ja sogar Gummibärchen dabei“, denkt sie sich. Die Tüte erweist sich als absolutes Familien-Notfall-Paket. Enthalten sind Gummibärchen für alle, für die Kinder zwei Reisespiele von Ravensburger Gruselino, ein spannendes Reaktionsspiel und ein absoluter Klassiker: „Schwarzer Peter“ – damit haben sich die Eltern schon als Kinder die Reisezeiten verkürzt. Zusätzlich hat Oma eine Karte in die Tüte gelegt. Auf der Karte steht: „Damit nicht alle verrücktspielen, schönen Urlaub.“
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Nach einigen Stunden auf der Autobahn erreicht die Familie das Urlaubsziel. ENDLICH ITALIEN. Es nieselt leicht, doch Gott sei Dank ist das Hotelzimmer schön und geräumig und Gott sei Dank haben die Kinder einen Kompromiss ausgehandelt. Sie haben statt der Schildkröte den tiptoi-Stift und einige dieser kleinen Quizsets eingepackt. Jetzt haben die Eltern Zeit auszupacken, zu duschen und ein Nickerchen zu machen, während die Kinder ihr Wissen über gefährliche Tiere und den menschlichen Körper erweitern und ganz friedlich zusammen spielen. Urlaubszeit ist doch die schönste Zeit!




Anke Brinkmann lebt mit ihrem Mann und der fünfjährigen Tochter in München. Sie liebt es, Familiengeschichten zu schreiben – ihre eigenen und auch die von anderen. Dabei ist es ihr besonders wichtig, vom echten, ungeschminkten Leben als Familie zu erzählen. Zum Brüllen komisch und manchmal nervig und fordernd bis zum Anschlag! Als Autorin ihres persönlichen Blogs muttiglueck.de erreicht Anke jeden Monat sehr viele Eltern und hört sehr viele Geschichten. Einige davon teilt sie hier in ihrer Mama-Kolumne mit uns.

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