Halloween scheidet die Geister

Anke Brinkmann

Von Anke Brinkmann

Lustig in diesem Zusammenhang – natürlich gibt es an Halloween viele Geister: geschieden, verheiratet, ledig. Harhar. Was ich meine, ist natürlich etwas ganz anderes.

Jedes Jahr begegnet mir dieselbe Diskussion: „Halloween, brauchen wir das? Was ist mit Sankt Martin? Früher haben wir gesungen und sind von Haus zu Haus gezogen.“ Ich kann Menschen verstehen, die diesbezüglich skeptisch sind. Sterben unsere alten, geliebten Traditionen zugunsten von Festen, die nicht unserer eigenen Kultur entspringen? Ist dieses Halloween nicht einfach beeinflusst durch US-TV-Serien zu uns geschwappt und wird hier von der Werbeindustrie dazu genutzt, vor Weihnachten noch einen kleinen Umsatz zusätzlich zu machen?

Meine Antwort ist ambivalent. Einerseits ist das natürlich richtig. Halloween ist keine deutsche Tradition. Unsere Geschichten und Erinnerungen rund um Halloween entstehen erst jetzt – in der Generation von Familien, die jetzt Kinder haben. Unsere Erinnerungen an Feste im Herbst beinhalten Erntedank und Laternenumzüge. Rabimmel, rabammel, rabumm. Aber ist das so schlimm? Können nicht beide Feste gleichzeitig ihre Bedeutung haben? Muss man denn in Konsumrausch verfallen?

Weil eines muss man sagen: Den Kindern macht dieses Fest rund um Geister, gruselige Begebenheiten und Süßigkeiten wahnsinnigen Spaß. Genauso viel Spaß wie ein Laternenumzug. So halten wir das: Wir lassen keine Gelegenheit aus, unseren Alltag mit besonderen Festen aufzupeppen. Es werden Laternen gebastelt und „Süßes oder Saures“ gefordert, wir lassen Drachen steigen und basteln Tiere aus Kastanien. Alles schöne Traditionen. Umso mehr schöne Erinnerungen wir an unser Leben als Familie haben, umso besser.

Wir hatten da sowieso keine Wahl. Unsere Tochter liebt alles, was gruselig ist: Geister, Skelette, Würmer, Kriechtiere. Keine Ahnung, woher sie das hat. Vielleicht haben wir einen Poltergeist in der Familie, von dem ich nichts weiß. An Halloween ist es ihre größte Freude, als Skelett durch die Gegend zu ziehen und Menschen zu erschrecken. Also sind wir alle dabei. Auch wir Eltern ziehen gruselige Kostüme an – es muss einen Unterschied zum Karneval geben, finde ich. Dann wandern wir nachts durch die Nachbarschaft auf der Suche nach Essbarem. Letztes Jahr standen wir vor einem Haus, bei dem man in die Küche schauen konnte. Da stand ein Gorilla und schnibbelte Salat. Als wir klingelten, schwang sich der Gorilla auf und rannte laut brüllend zur Tür. Das Kind schauderte ein wenig und wir Erwachsenen haben Tränen gelacht. Das ist doch etwas wert, so was als Familie zu erleben. Ich werde das nie vergessen.

Genauso wie ich nie vergessen werde, wie Ende der Neunzigerjahre mein damals noch sehr kleiner Neffe schwor, der Schumi sei beim Martinsumzug gewesen. Ich sagte: „Michael Schumacher? Bei euch im Kindergarten? Bist Du sicher?“ Er antwortete prompt: „Ja, in einem roten Anzug und auf einem Pferd, das genauso aussah wie das Pferd auf seinem Ferrari.“
Anke Brinkmann lebt mit ihrem Mann und der fünfjährigen Tochter in München. Sie liebt es, Familiengeschichten zu schreiben – ihre eigenen und auch die von anderen. Dabei ist es ihr besonders wichtig, vom echten, ungeschminkten Leben als Familie zu erzählen. Zum Brüllen komisch und manchmal nervig und fordernd bis zum Anschlag! Als Autorin ihres persönlichen Blogs muttiglueck.de erreicht Anke jeden Monat sehr viele Eltern und hört sehr viele Geschichten. Einige davon teilt sie hier in ihrer Mama-Kolumne mit uns.

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