Adventskalender - altmodisch oder eher modern?

Vorfreude ist bekanntlich die beste Freude
Anke Brinkmann

Von Anke Brinkmann

Wie oft zählen wir Eltern mit unseren Kindern die Tage. Wir zählen die Tage bis zum Geburtstag, bis zu den Ferien, bis der Osterhase endlich vorbeigehoppelt kommt und bis endlich die Weihnachtsgeschenke unter dem Baum liegen.

Weihnachten ist und bleibt für Kinder und Familien der Höhepunkt im Jahr. Offensichtlich waren Kinder schon immer besonders ungeduldig in dieser besonderen Jahreszeit. Das würde zumindest erklären, warum der Adventskalender schon im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Bereits 1851 suchten kluge Eltern nach Abhilfe, um den Kindern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie selbst erkennen konnten, wann es denn nun endlich soweit war, und damit die ständige Fragerei zu beenden. Jeden Tag wurde gemeinsam ein anderes Bild in der Wohnung aufgehängt und wenn es 24 waren, dann wurde es höchste Zeit für den Weihnachtsmann, den Schlitten anzuspannen.

Eigentlich eine sehr schöne Idee, diese Bilder. Ich befürchte allerdings, größere Kinder wären mit hübschen Bildern an der Wand, anstelle der jetzt üblichen Adventskalender, nicht besonders zufrieden. Ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, für Sie zu recherchieren, wie dieser schöne, alte Brauch heute ankommen würde. Die von mir befragte „Expertengruppe“ aus der ersten Klasse entblößte ihre Zahnlücken und schüttelte laut lachend den Kopf: „Vergiss es, wir wollen etwas zum Spielen und Schokolade / letztes Jahr hatte ich drei Adventskalender und keine komischen Bilder an der Wand / noch nicht mal, wenn die Bilder in 3D wären und LED-Beleuchtung hätten“, waren die Reaktionen. Ansonsten gab es recht unterschiedliche Meinungen. Eine mit mir sehr nah verwandte Expertin findet, ohne Schokolade tauge kein Adventskalender so richtig was. Ihr Freund Matthias kann sich Weihnachten ohne drei verschiedene Türchen am Tag kaum vorstellen und Verena braucht jeden Tag eine neue Geschichte zum Lesen, weil es Schokolade bei ihr daheim sowieso immer gibt.

Die befragten Mütter handhaben den Adventskalender-Brauch ganz unterschiedlich. Einige Mütter basteln stets selbst, nähen jedes Jahr neue Säckchen und geben sich unendlich viel Mühe. Andere Mütter legen den Fokus ganz strikt auf den Inhalt und kaufen Kalender, in denen möglichst viel Schokolade oder Spielzeug steckt.
Ich bin wie eigentlich immer total altmodisch (Expertenmeinung) und bestehe darauf, dass es nur einen Adventskalender gibt. Die Zeit bis Weihnachten lässt sich anhand eines zu öffnenden Türchens genauso gut zählen wie mit fünf verschiedenen. Am Ende werden es dann doch zwei Kalender, weil sich natürlich nicht alle Omas, Tanten und Nachbarinnen an meine altmodischen Regeln halten. Also gibt es von mir stets etwas zum Spielen, weil die Schokolade ganz von allein ins Haus kommt. Bisher habe ich die Adventskalender für meine Tochter immer selbst gebastelt. Dieses Jahr werde ich das ändern und einen mit Spielzeug befüllten Kalender kaufen. Die mühsam einzeln erstandenen kleinen Spielzeuge und Figürchen wurden nämlich kaum bespielt und flogen stattdessen in der ganzen Wohnung herum. Obendrein ist das mit 1 bis 3 € pro Türchen ehrlich gesagt richtig teuer. Der Fußball Kalender von Ravensburger kann zum Beispiel nach Weihnachten als Tabellen- Setzkasten umfunktioniert werden, ich glaube den besorge ich für meinen Mann, dann hat er etwas das ihn tröstet, wenn seine Mannschaft wieder mal nur verliert.

Die hohen Kosten sind auch ein Grund, warum die Mama von Johanna (5), Jacob (7) und Maria (12) fertige Adventskalender kauft. Außerdem hatte sie früher wohl immer wieder hitzige Diskussionen, weil es natürlich schwierig ist abzuwägen, ob alle dasselbe bekommen. Sie verriet mir, dass jetzt jedes Kind aussuchen darf, welchen Kalender es bekommt. Großen Wert legt sie dabei darauf, dass die Kinder wie in den letzten Jahren Kalender auswählen, die den Kindern eine echte Beschäftigung bieten. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Woozle Goozle, tiptoi oder ein DIY-Adventskalender.

Weil ich nicht aus meiner altmodischen Haut herauskomme, habe ich noch weiter in der Geschichte der Adventskalender geforscht. Weder ein Adventsbaum, der täglich mit Bibelsprüchen behängt wird, noch Kreidestriche, die täglich weggewischt werden müssen, scheinen mir geeignet zu sein, um bei uns die Weihnachtszeit wieder ein bisschen stimmungsvoller zu gestalten. Meine Tochter hatte eine sehr schöne Idee, die wir dieses Jahr antesten werden. Zusätzlich zum „Adventskalender zum mitmachen“, der sie sogar mehrfach täglich beschäftigen wird, stellen 24 Kerzen auf unseren Esstisch und sie darf jeden Morgen beim Frühstück eine mehr anzünden. Wir werden also während der Adventszeit morgens vor der Schule in wunderschönem Kerzenlicht frühstücken. Wenn das nicht eine besondere Zeit wird, dann muss ich mal den Weihnachtsmann um Rat fragen. Die Expertin sagt, ich könne ihn einfach anrufen – wenn der Weihnachtsmann für die ganze Organisation kein Handy hat, wer denn dann?
Anke Brinkmann lebt mit ihrem Mann und der fünfjährigen Tochter in München. Sie liebt es, Familiengeschichten zu schreiben – ihre eigenen und auch die von anderen. Dabei ist es ihr besonders wichtig, vom echten, ungeschminkten Leben als Familie zu erzählen. Zum Brüllen komisch und manchmal nervig und fordernd bis zum Anschlag! Als Autorin ihres persönlichen Blogs muttiglueck.de erreicht Anke jeden Monat sehr viele Eltern und hört sehr viele Geschichten. Einige davon teilt sie hier in ihrer Mama-Kolumne mit uns.

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