Interview mit Marion Kreimeyer-Visse

Marion Kreimeyer-Visse entwickelt Bilder- und Sachbücher zu ganz unterschiedlichen Themen, vom Bauernhof und Krankenhaus über „Wir entdecken Deutschland“ bis hin zu Märchen. Für „Wieso? Weshalb? Warum?“ war sie schon an den verschiedensten Orten unterwegs.

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Ravensburger Illustratorin Marion Kreimeyer-Visse

Frau Kreimeyer-Visse, wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?

Auf ganz unterschiedlichen Wegen, beispielsweise in Bibliotheken, Museen und im Internet. Oder ich forsche in zeitgenössischen Darstellungen und wissenschaftlichen Quellen, immer kritisch aus verschiedenen Perspektiven und manchmal sogar mit kriminalistischer Spürnase. Die Interviews mit Fachleuten und die Recherchen mit der Kamera vor Ort sind für mich am spannendsten. Ich liebe es, mittendrin zu sein: zu hören, zu sehen und selbst zu lernen, egal ob es mit Schuh-Überziehern hinter dem Melkroboter ist oder im grünen Schutzkittel während der Darm-Operation. All diese Eindrücke verarbeite ich in meinen Bildern. Darüber hinaus versuche ich in jedem Kindersachbuch bildliches Expertenwissen einzubauen, um auch Eltern zum Staunen zu bringen.

Wie kommen Sie auf die Ideen? Geschieht dies in Zusammenarbeit mit dem Verlag oder vollkommen selbstständig?

Zu Beginn eines neuen Projekts treffe ich mich mit dem Redakteur und dem Autor, um gemeinsam den Leitfaden des Buches festzulegen. Das ist jedes Mal ein hochspannender Moment, den ich sehr liebe. Die eigentliche Arbeit und Ideenentwicklung beginnt dann aber anschließend zuhause im Arbeitszimmer. Hier stelle ich jede Buchseite inhaltlich als Zeichnung auf und berücksichtige die gemeinsamen Vorstellungen. Je tiefer ich mich eindenke, desto besser sprudeln die Ideen. Oft kommen sie nicht beim Zeichnen, sondern vor dem Einschlafen, beim Fönen oder Abwasch. Dann tüftle ich die Doppelseiten so aus, dass möglichst viele variationsreiche und sinnvolle Klappen Platz finden und jeder Raum ausgenutzt ist.

Können Sie sich an eine besonders denkwürdige Situation mit einer Leserin oder einem Leser erinnern?

Während des Recherchetermins zu “Was passiert im Krankenhaus?” in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen habe ich von einem schwerkranken Jungen im Rollstuhl und seinen Eltern große Unterstützung erhalten. Sie haben mir Fotos von ihm zur Verfügung gestellt. Zum Dank hatte ich den Vater und seinen hilfsbereiten Sohn im roten Rollstuhl auf der ersten Ausklappseite dargestellt, ohne dass sie es wussten. Bei einem späteren Besuch in der Klinik bat mich eine Krankenschwester um ein Buch für die Eltern. Sie wünschten es sich als Andenken an ihren zwischenzeitlich verstorbenen Sohn. Das hat mich sehr berührt.
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