Mit Kindern über Themen rund um den Krieg in der Ukraine sprechen

Die Bilder des Krieges aus der Ukraine bestimmen das Nachrichtengeschehen und hinterlassen uns Erwachsene oft hilflos und traurig. Kindern geht es da nicht anders, wenn sie Geschichten und Bilder aus dem Kriegsgebiet aufschnappen. Umso wichtiger ist es, mit ihnen über das Thema zu sprechen – auf Augenhöhe und altersangemessen.

Brennende und zerstörte Wohnhäuser, Soldaten und Panzer, verängstigte Frauen und Kinder auf der Flucht – die Nachrichten und Bilder, die uns in diesen Tagen aus der Ukraine erreichen, sind verstörend, hinterlassen uns wütend und traurig zugleich. Umso mehr sind wir Eltern bemüht, diese Emotionen und diese Nachrichten von unseren Kindern fernzuhalten – gerade wenn sie noch zu jung für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema sind. Doch je länger der Konflikt dauert, je stärker wir die Auswirkungen im Alltag spüren, desto wahrscheinlicher wird es, dass unsere Kinder selbst Geschichten und Bilder aufschnappen – durch Gespräche, das unbedacht laufende Küchenradio, Bilder im Internet oder Fernsehen. Diese Eindrücke können ihnen Angst machen und für große Verunsicherung sorgen. Darum ist es wichtig, mit ihnen auf Augenhöhe zu sprechen, ihre Ängste und Sorgen ernst zu nehmen und alle aufkommenden Fragen zu beantworten.

Doch wie kann das gelingen? Fünf Ratschläge für Gespräche über den Krieg in der Ukraine

1. Den Kindern zuhören

Wir sollten den Kindern genau zuhören und sie erzählen lassen, was sie aufgeschnappt oder gesehen und wie sie das Gesehene oder Gehörte erlebt haben. Dabei dürfen sie ihre Fragen stellen. So lässt sich besser einschätzen, was wir Erwachsenen erklären müssen. Von sich aus den Krieg zu thematisieren, ist dagegen – gerade bei kleineren Kindern – nicht sinnvoll.

2. Raum für Gefühle lassen

Auch die Gefühle der Kinder sollten wir unbedingt ernst nehmen und nicht abtun. Offene Gespräche über die Dinge, die sie belasten, sorgen oft für Erleichterung und geben ihnen Sicherheit. Dabei dürfen wir auch selbst über unsere eigenen Gefühle und unsere Verunsicherung sprechen. Damit zeigen wir den Kindern, dass sie auf ihre eigenen Gefühle vertrauen können – und vor allem nicht allein sind. Darüber hinaus können wir Eltern unsere Kinder dazu anregen, ihre Gefühle in einem Bild oder einer Geschichte auszudrücken.

3. Ehrlich und altersgemäß erklären

Kinder ernst zu nehmen, bedeutet auch, ihnen auf Augenhöhe und ehrlich zu begegnen. Wir sollten also die Fragen der Kinder wahrheitsgemäß beantworten und nicht einfach abtun. Im schlimmsten Fall finden sie sonst in ihrer Fantasie eigene Antworten und die sind für Kinder oft verstörender als die Wahrheit. Wichtig sind dabei altersangemessene Antworten.
Gerade bei Kindern im Kindergartenalter sollten wir die Details des Krieges aussparen, um unnötige Verunsicherung zu verhindern. Auch Medienberichte sind hier tabu. Stattdessen könnte man ihnen erklären, dass sich zwei Länder streiten und ein Bestimmer einfach nicht aufhören und unbedingt gewinnen will. Menschen müssen deshalb ihre Heimat verlassen.
Ältere Grundschulkinder verstehen dagegen schon eher, was Krieg bedeutet, welche Schäden Waffen anrichten können und kennen auch die Auswirkungen auf die Menschen. Mit ihnen kann man entsprechend offener über die Dinge sprechen, die in der Ukraine geschehen.
Achtung: Auch sie sollten allein keine Bilder oder Videos aus den Krisengebieten schauen – und wenn zusammen, dann auch nur sehr dosiert. Das gilt auch, wenn sie von seriösen Kindermedienquellen, wie „Logo“, aufbereitet werden. Die Gefahr der Überforderung ist zu groß.

4. Sicherheit vermitteln

Auch wenn es uns Erwachsenen in diesen Tagen oft schwerfällt, sollten wir den Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Zum Beispiel könnte man erklären, dass viele Menschen auf der Welt sich bemühen, den Krieg bzw. den Streit zu beenden und Lösungen zu finden. Bei expliziter Nachfrage könnte man seinem Kind versichern, dass ein Angriff auf Deutschland unwahrscheinlich sei und dass es hier in Sicherheit sei. Wegen dieser Sicherheit kommen andere Erwachsene und Kinder zu uns, um Schutz zu suchen.

5. Anderen Menschen helfen

Gerade ältere Kinder haben nach den Gesprächen über das Schicksal der Menschen in der Ukraine das Bedürfnis, zu helfen. Das kann man gut aufgreifen, zum Beispiel könnte man zusammen benötigte Hilfsgüter kaufen, wenn Organisationen dazu aufrufen. Auch Spendenaktionen in der Grundschule sind eine gute Idee. Um ein Zeichen für den Frieden auf der Welt zu setzen, könnte man auch gemeinsam an einem der vielen Friedensmärsche teilnehmen.

Mit Kinderbüchern Gespräche gestalten:

Eltern, die sich bei den Gesprächen über den Krieg unsicher sind, sollten auf die Unterstützung von erfahrenen Kindermedienmachenden zurückgreifen. Besonders gut eignen sich Kinderbücher, die man gemeinsam anschauen kann, um dann über das Gesehene zu sprechen. Auch der Ravensburger Verlag stellt Eltern und pädagogischen Fachkräften kostenfreie Inhalte für Gespräche über den Krieg in der Ukraine zur Verfügung.

Für Kinder im Kindergartenalter (2–4 Jahre)

Zu den Fragen, warum wir uns streiten, wie Lösungen für Konflikte aussehen und wie das Zusammenleben am besten klappt, bieten diese Seiten aus unseren Büchern eine gute Gesprächsgrundlage.
aus: Wieso? Weshalb? Warum? junior Helfen, teilen, sich vertragen. Illustration und Text: Doris Rübel ©Ravensburger Verlag GmbH
aus: Wieso? Weshalb? Warum? junior Helfen, teilen, sich vertragen. Illustration und Text: Doris Rübel ©Ravensburger Verlag GmbH

aus: Wieso? Weshalb? Warum? junior Helfen, teilen, sich vertragen. Illustration und Text: Doris Rübel ©Ravensburger Verlag GmbH

aus: Wieso? Weshalb? Warum? junior Was ich alles kann. Illustration und Text: Constanza Droop © Ravensburger Verlag GmbH


Für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter (4–7 Jahre)

Auf der Europakarte lässt sich gemeinsam nachsehen, wo die Ukraine und wo Deutschland liegen. Auch ein Teil Russlands gehört zu Europa.
Bei Bedarf könnten Eltern oder pädagogische Fachkräfte thematisieren, über welche Wege die Menschen auf der Flucht nach Deutschland kommen oder wohin Hilfsgüter und Spenden gebracht werden. Das bietet sich vor allem dann an, wenn sich die Kinder selbst engagieren wollen oder vielleicht geflüchtete Kinder bald in die Kita-Gruppe oder die Grundschule kommen.

aus: Wieso? Weshalb? Warum? Sonderband Mein erster Europa-Atlas. Illustration: Anne Ebert, Text: Andrea Erne ©Ravensburger Verlag GmbH

Ein wichtiger Aspekt ist die Frage nach Gemeinsamkeiten in Europa. Warum ist gerade jetzt Hilfe eine Selbstverständlichkeit in Europa?

aus: Wieso? Weshalb? Warum? Sonderband Mein erster Europa-Atlas. Illustration: Anne Ebert, Text: Andrea Erne ©Ravensburger Verlag GmbH

Hier erfahren Kinder etwas über die Ukraine und ihre Besonderheiten.

aus: Wieso? Weshalb? Warum? Sonderband Mein erster Europa-Atlas. Illustration: Anne Ebert, Text: Andrea Erne ©Ravensburger Verlag GmbH


Für Kinder im Grundschulalter (ab 8 Jahre)


Ältere Kinder begreifen schon eher, was Krieg bedeutet und welche Gefahren für die Menschen bestehen. Deshalb macht eine detailliertere Auseinandersetzung Sinn. Hier sollte der Fokus auf dem Positiven liegen – zum Beispiel Europas Bemühungen um Frieden, die Unterstützung der Ukraine oder die große Hilfsbereitschaft gegenüber den geflüchteten Menschen.

Diese Begriffserklärungen sind kurz und kindgerecht:
Auf diesen Seiten erfahren Kinder etwas über Osteuropa, welche Staaten an die Ukraine grenzen und welche Städte es dort gibt.

aus: Der große Ravensburger Weltatlas für Kinder. Illustrationen: Jochen Windecker, Karten: Ralf Bitter, Text: Andrea Schwendemann, Fotos: Adobe Stock und picture alliance/dpa/Bildarchiv ©Ravensburger Verlag GmbH


aus: Der große Ravensburger Weltatlas für Kinder. Illustrationen: Jochen Windecker, Karten: Ralf Bitter, Text: Andrea Schwendemann, Fotos: Adobe Stock © Ravensburger Verlag GmbH


Die Europäische Union wird älteren Kindern in den Medien häufiger begegnen, dazu finden sie hier Wissenswertes. Auch die Themen Flucht, Einwanderung und Asyl beschäftigen viele Kinder:
aus: Wieso? Weshalb? Warum? ProfiWissen Deutschland. Illustration: Jochen Windecker und Billa Spiegelhauer, Text: Andrea Schwendemann, Fotos: Adobe Stock © Ravensburger Verlag GmbH

aus: Wieso? Weshalb? Warum? ProfiWissen Deutschland. Illustration: Jochen Windecker und Billa Spiegelhauer, Text: Andrea Schwendemann, Fotos: Adobe Stock und Andreas Oertzen/Dr. Berrin Özlem Otyakmaz (S. 51 unten rechts) © Ravensburger Verlag GmbH




Birk Grüling wäre fast Mathelehrer geworden, in letzter Sekunde entschied er sich doch für den Journalismus. Mit seinem fünfjährigen Sohn teilt er die Leidenschaft für ausgestorbene Tiere, versunkene Kulturen und verrückte Erfindungen. Zum Glück kann er dieses Interesse als freier Wissenschaftsjournalist und Kinderbuchautor auch beruflich voll ausleben.

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