Kinder und Medien

Wie bereite ich meine Kinder auf das digitale Leben vor?

"Als ich klein war, war das Wort Medienkompetenz noch nicht erfunden."

Es gibt eine Theorie, die besagt, dass sich unsere Kinder im Laufe unseres Lebens für jede Tüte Rohkost, die sie essen mussten, jede nachgeschleppte Mütze und jeden Baum, den sie nicht besteigen durften, rächen werden.

Die Rache kommt auf leisen Sohlen. Wenn die Kinder in das Erwachsenenalter einsteigen, rächen sie sich zum Beispiel durch rosa Haare und zerrissene Jeans auf Tante Friedas Geburtstag. Sie schleppen grottenhässliche Holzelefanten aus allen Teilen der Welt bei uns an und erwarten, dass wir sie ins Wohnzimmer stellen. Oder sie möchten die bunten Perlenarmbänder aus Bali in Kombination mit Papas neuem Armani-Anzug als Büro-Outfit sehen.

Ach, bei Ihnen wird das nicht passieren, denken Sie?

Eines ist wohl bei jedem von uns sicher. Schon in wenigen Jahren werden wir unsere Kinder ständig am Telefon nerven, weil wir unsere Computer, Handys oder die virtuellen Medien der Zukunft nicht bedienen können. Genau wie unsere Eltern das jetzt bei uns tun. Das wird die Gelegenheit für die Youngster, ganz liebevoll mit Spott und rollenden Augen Rache zu nehmen für jeden nervigen Erziehungsfeldzug der Vergangenheit!

Mal abgesehen von dieser mehr humoristischen Theorie, kommt da aber etwas auf uns zu, das uns vielleicht tatsächlich Sorgen machen sollte. Wie bereite ich Kinder im Zeitalter der blitzschnellen Informationsverbreitung auf die Zukunft vor? Was müssen sie an Grundlagen wissen, um sich selbst ihr Bild machen zu können? Was muss ich ihnen vermitteln, bevor sie im Wissen und Technikverständnis uneinholbar an mir vorbeiziehen und ich nicht mehr durchblicke, was da passiert.

Als ich klein war, war das Wort Medienkompetenz noch nicht erfunden. Es gab drei TV-Programme und eine Handvoll Tageszeitungen. Im Zweifel war die Wahrheit das, was in der Tagesschau gesagt wurde. Jetzt wird es immer wichtiger, Quellen einzuschätzen und zu beachten, bevor man etwas für die Wahrheit hält. Dazu muss man wissen, wie Medien funktionieren!

Keiner blickt mehr so richtig durch, scheint es. Wir erfahren alles, was auf der Welt passiert, und immer mehr, als wir wissen wollen. Bei jeder Naturkatastrophe am anderen Ende der Welt prasseln so viele Elendsbilder auf uns ein, dass wir es kaum noch aushalten. Dadurch entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, es würde immer mehr passieren. Wie kann man das einem Kind erklären?

Kinder müssen auch lernen, welche Informationen privat sind und nicht geteilt werden dürfen. Damit sie das berücksichtigen, muss erst mal Verständnis für die Zusammenhänge her!
Ich habe mich auf die Suche gemacht und trockene, wissenschaftliche Abhandlungen gefunden – sehr wenige.
Für Kinder gab es eigentlich nicht so richtig etwas zu finden, außer diesem wirklich gut gemachten Buch aus der Reihe "Wieso Weshalb Warum".
Es zeigt ausführlich und kindgerecht, wie Medien gemacht werden, vom Buchdruck zum E-Book-Reader, behandelt wichtige Themen wie Pressefreiheit und erklärt, warum im Internetzeitalter auch Bilder lügen können. Eine recht gute Vorbereitung auf das Leben mit Medien im Überfluss und in rasender Geschwindigkeit.

Am besten finde ich die Seiten darüber, wie das Internet und die Handys unser Leben verändert haben. Darüber muss man wirklich mal sprechen und auch selbst mal nachdenken. Das ist der Wahnsinn! Das ist ja unseren Kindern gar nicht bewusst.
Es war wirklich spannend, als wir an diesem verregneten Sonntag auf die Reise ins Land der Medien gegangen sind.
Kind mit iPhone
Wir haben uns mit dem Buch zusammen hingesetzt und ich habe meinen drei Sprösslingen von "früher" erzählt. Ja gut, ich fühlte mich ein bisschen wie meine achtzigjährige Oma, aber machen Sie das mal. Erklären Sie Ihren Kindern, wie man wohl ohne Internet gelebt hat. (Wenn Sie es noch wissen!) Arbeiten im Büro ohne E-Mails habe ich zum Beispiel schon nicht mehr erlebt, aber dafür Fernseher ohne Internetanschluss. Als man noch wissen musste, wann die Sesamstraße beginnt und auch keine Pausentaste vorhanden war, wenn man mal kurz weg musste. Meine Kinder haben gestaunt. Einfach mal so ein Urlaubsvideo an die Oma schicken und quer durch die Welt Videoanrufe machen? Undenkbar bevor Smartphones die Kontrolle über unsere Kommunikation übernommen haben. So richtig für jeden verfügbar sind die Wunderdinger aber gerade erst seit der Markteinführung des iPhone im Jahr 2007 – gerade mal elf Jahre ist das her.

Bei Opa im Schrank haben wir dann noch zusammen ein Lexikon entdeckt. Pietro, mein Größter, meinte: "Das ist so was wie Google auf Papier."
Das haben die anderen beiden dann ganz schnell begriffen. Die Kinder tippten auf Begriffe und wir Großen mussten die Erklärungen vorlesen.
Der Lieblingsbegriff meiner kleinen Tochter war "Vergesslichkeit". In dem Lexikon von 1952 stand ausführlich, dass das ein Effekt ist, der mit steigendem Alter zunimmt und es gab einen Verweis auf eine Krankheit namens "Altersschwachsinn". So hat man das damals noch genannt. Den Absatz über Vergesslichkeit musste ich fünfmal lesen … und sie kommentierte das trocken mit: "Du suchst ja jetzt schon immer deine Brille." Das erinnert schon ein bisschen an die lustige Theorie von der Rache.

Da komme ich noch einmal kurz mit "Rache der Sprösslinge". Meine Eltern haben das ALLES mitgemacht, das volle Programm. Die zerrissenen Hosen, die lila Strähnen in meiner schicken Achtzigerjahre-Dauerwelle und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich zwar keinen hässlichen Holzelefanten, aber dafür so manch anderes Urlaubsmitbringsel mitgebracht, das mir heute peinlich ist. Natürlich steht der Kram immer noch bei Oma und Opa im Wohnzimmer. Ein wenig milder bin ich übrigens mit meinem Vater geworden, der mich wöchentlich ungefähr mit drei technischen Fragen zu seinem Computer, dem Internet und seinem WLAN-Router beglückt. Seit wir uns zu Hause so ausführlich mit den neuen Medien beschäftigt haben und mir klar wurde, was da auf mich zurollt, verdrehe ich die Augen nicht mehr so sehr. Ich bitte ihn nur noch zu lesen, was in den grauen Feldern steht, bevor er auf "OK" klickt.

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