Ferien-Betreuung – ja oder nein?

Knifflige Frage: Können Kinder in den Ferien schon mal allein zu Hause bleiben? Ab wann? Und wie lange?

Sommerferien – und dann allein zu Hause bleiben!?

Rund zwölf Wochen Ferien haben Schulkinder über das Jahr verteilt, allein sechs Wochen davon im Sommer! Schön für die Kinder – aber nicht selten ein Problem für die Eltern, denn wer kann im Job schon so viel Urlaub nehmen? Mütter und Väter, die da nicht mithalten können, sollten sich rechtzeitig schlau machen, wie sich die Kinderbetreuung gut organisieren lässt und müssen immer wieder kreative Lösungen finden.

Rechtliche Aspekte: Die elterliche Aufsichtspflicht gilt auch in den Ferien

Tatsächlich ist das Problem der Ferienbetreuung während der Grundschulzeit am größten, denn die meisten Kinder unter sechs Jahren werden bei Bedarf noch rund ums Jahr in der Kita betreut, und Jugendliche ab etwa 12 bis 14 Jahren entwickeln oft schon eigene Vorstellungen, was sie in den Sommerferien gern unternehmen wollen. Grundsätzlich gilt aber: Für alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren haben Eltern die sogenannte Personensorge und Aufsichtspflicht. Das heißt: Sie sind verantwortlich dafür, dass ihrem Kind nichts passiert und dass durch ihr Kind auch niemandem Schaden entsteht. Müssen Eltern ihre Kinder also bis zum 18. Geburtstag rund um die Uhr beaufsichtigen? Nein – Eltern dürfen ihre Kinder ruhig auch mal allein lassen, allerdings abhängig vom Alter und der Reife des Kindes. Der Gesetzgeber legt zwar keine festen Altersgrenzen für das Alleinlassen fest, aber es gibt Anhaltspunkte.

Schrittweise ans Alleinbleiben gewöhnen – eine Altersübersicht

Fest steht: Kleine Kinder bis zum Alter von drei bis vier Jahren sollten grundsätzlich immer beaufsichtigt sein. Warum? Erstens möchten Kinder in dem Alter noch nicht allein bleiben, weil sie meist noch sehr unter Trennungsangst von den Eltern leiden. Und Kinder sollten auch nicht allein bleiben, weil sich kleine Kinder tatsächlich selbst in Gefahr bringen können, wenn niemand auf sie aufpasst (z. B. können sie irgendwo hochklettern, Dinge verschlucken usw.). Kinder von vier bis sieben Jahren sind bereits etwas selbstständiger und vernünftiger. Deshalb halten Experten der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung es in dieser Altersstufe vertretbar, die Kinder ab und zu für bis zu 30 Minuten unbeaufsichtigt zu lassen, soweit der Ort sicher ist (Beispiel: Ist der Herd in der Wohnung aus? Brennen auch nirgendwo Kerzen? Ist der Garten „kindersicher“ – gibt es keinen Teich, giftige Pflanzen oder gefährliche Geräte, die herumstehen?). Natürlich soll sich das Kind in so einer Situation auch selbst zutrauen, allein zu bleiben. Fangen Sie beim Alleinsein-Üben am besten mit wenigen Minuten an, die Sie mal kurz in den Keller oder zum Müll wegbringen verschwinden (siehe auch Abschnitt „Kleine und große Chancen in den Ferien nutzen, Eigenverantwortung lernen“). Ab Grundschulalter können Kinder auch schon mal bis zu zwei Stunden allein gelassen werden. Je älter und reifer die Kinder werden, desto eher kann man ihnen das Alleinsein zutrauen (siehe auch Abschnitt „Woran erkenne ich, dass mein Kind alleine bleiben kann?“).

Dürfen Jugendliche in den Sommerferien allein zu Hause bleiben?

Auch wenn sie noch nicht volljährig sind: Für Teenager ist es normal, dass sie vielleicht keine Lust mehr auf einen klassischen Familienurlaub haben. Aber darf man die „Kinder“ einfach so allein zu Hause lassen? Als Anhaltspunkt gilt: Jugendliche unter 15 Jahren können mal einen Abend ohne Eltern zu Hause sein, aber um mehrere Tage am Stück zu Hause zu „managen“, sollten sie mindestens 16 Jahre alt und mit dem „allein klarkommen“ vertraut und erfahren sein. Sinnvoll ist, mit den Jugendlichen vor Ort eine Ansprechperson zu vereinbaren, an die sie sich wenden können, wenn sie eine Frage haben oder ein Problem auftaucht. Das können zum Beispiel Verwandte in der Nähe sein oder auch die Nachbarn. Vielleicht gibt es auch eine Vertrauensperson, die etwa alle drei Tage einfach mal kurz nach dem Rechten schaut.

Kleine und große Chancen in den Ferien nutzen, Eigenverantwortung lernen

Sich zutrauen, allein zu Hause zu bleiben, erfordert Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Mit dem Beginn der Schulzeit fangen Kinder an, sich in diesen Kompetenzen zu üben, etwa, indem sie lernen, den Schulweg allein zu bewältigen oder sich selbst zu merken, welche Hausaufgaben erledigt werden müssen. Das heißt: Etwa ab Grundschulalter können Sie mit Ihrem Kind auch das „allein zu Hause bleiben“ üben. Gehen Sie zum ersten Mal länger als die vielleicht schon gewöhnten zehn bis zwanzig Minuten weg, so ist es wichtig, dass Sie Ihre Abwesenheit vorab in Ruhe mit Ihrem Kind besprechen und gemeinsame Vereinbarungen für diese Zeit treffen. Besprechen Sie zum Beispiel, wann Sie wieder da sind und sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind Sie während Ihrer Abwesenheit telefonisch erreichen kann.

Kinder liebevoll auf das Alleinbleiben vorbereiten

Wichtig ist auch, genau durchzusprechen, was das Kind tun kann, wenn es sich plötzlich doch ganz arg allein fühlt und Angst bekommt. Es könnte Sie anrufen. Aber vielleicht kann es ja dann auch zu den Nachbarn gehen? Oder bei den Großeltern anrufen? Gut, wenn Nachbarn und/oder Großeltern vorab auf Ihren möglichen „Einsatz“ vorbereitet sind. Hilfreich ist auch, mit dem Kind über unvorhersehbare Situationen zu sprechen. Was tut es zum Beispiel, wenn das Telefon läutet oder wenn es an der Tür klingelt? Wenn es plötzlich Hunger oder Durst bekommt? Solche Situationen können Sie gut im Vorfeld mit Ihrem Kind besprechen und üben, bevor sich das Kind zum ersten Mal traut, tatsächlich eine ganze Stunde, später vielleicht auch einen Vor- oder Nachmittag und irgendwann einen ganzen Tag allein zu bewältigen.

Woran erkenne ich, dass mein Kind alleine bleiben kann?

Neben den oben genannten, groben Altersrichtlinien ist eine der wichtigsten Fragen, die zu klären ist, ob sich Ihr Kind selbst das Alleinbleiben mit einem guten Gefühl zutraut. Natürlich sollen Sie auch sicher sein, dass Ihr Kind sich an gemeinsame Absprachen hält (z.B. die Tür nicht zu öffnen, wenn es klingelt; oder bestimmte Küchengeräte nicht allein zu benutzen) und dass es in der Lage ist, sich Hilfe zu holen, falls etwas Unvorhergesehenes passiert. Klar sollte auch sein, dass sich das Kind auf keinen Fall einschließen darf und auch Sie sollten Ihr Kind auf keinen Fall einschließen, wenn Sie das Haus oder die Wohnung verlassen. Tritt in den Ferien plötzlich ein Betreuungs-Notfall ein, so achten Sie unbedingt darauf, dass Sie Ihr Kind nicht mit dem Anliegen überfordern, einen halben oder ganzen Tag allein zu Hause zu managen. Denn Kinder sind nun mal noch nicht erwachsen – und außerdem gibt es viele gute Ideen, so dass kein Kind unfreiwillig allein zu Hause bleiben muss.

Tipp: Das Sozialreferat (Stadtjugendamt) der Landeshauptstadt München hat eine informative Broschüre veröffentlicht – „Elterliche Aufsichtspflicht: Was wollen und was dürfen Kinder? Was müssen Eltern beachten?“

Mit diesen Produkten können sich Kinder auch prima alleine beschäftigen!

Irgendwie geht es immer: Hier sind 10 Tipps damit kein Kind alleine zu Hause bleiben muss!

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