Kinder und Gefühle: Wer verliert schon gern?

Sieben Tipps von Diplom-Psychologin Kirsten Khaschei

Verlieren muss gelernt sein

Ob Ballspiele oder Brettspiele: Was jedes Spiel natürlich auch so spannend und häufig sehr emotionsgeladen macht, ist die Tatsache, dass es Gewinner und Verlierer gibt. Und manchmal leider auch Frust, Wut oder Tränen. Hier erfahren Sie sieben Tipps, um dem kindlichen Frust beim Spielen besser zu begegnen.

1. Kindliche Gefühle brauchen Geduld und Verständnis

Fast jedes Spiel setzt Gefühle frei – nicht zuletzt deshalb ist ja Spielen für Klein und Groß, Jung und Alt auch so eine tolle gemeinsame Erfahrung. Gefühle sollen und dürfen also sein. Im Umgang mit Kindern, die ihre Gefühlswelt erst kennenlernen, ist von Erwachsenen Geduld und Verständnis gefragt. Spieleifer, Begeisterung, Tränen oder auch Wut sind erlaubt und brauchen ein erwachsenes Gegenüber, das je nach Spielverlauf lobt, sich mitfreut, aufmuntert, aber auch beruhigt, beschwichtigt oder tröstet. Alle Menschen, Kinder wie Erwachsene, wollen mit ihren Gefühlen ernst genommen werden.

2. Verlieren will gelernt sein – gewinnen auch

Neben dem Erlernen von bestimmten Spielregeln müssen Kinder auch lernen, wie man verliert und wie man gewinnt. Erwachsene sind ihre Vorbilder (siehe auch Tipp Nr. 7). Was passiert beim Gewinnen und Verlieren? Wie fühlt man sich? Was macht man dann? Mit kleinen Rollenspielen – indem man zusammen mit dem Kind so tut als ob – kann man verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Zum Beispiel kann man sagen: "Ich tue jetzt mal so, als ob ich gewonnen hätte und vor lauter Glück tanze …" (…oder: einmal rund ums Haus laufe oder: einen Purzelbaum mache oder …) oder: "Jetzt spielen wir mal, dass wir beide wütend sind, weil etwas nicht geklappt hat. Los, wir holen uns ein Kissen und hauen da drauf" (… oder: sagen dreimal ganz laut "Mist, Mist, Mist!" oder …).

3. Wutanfälle aushalten und etwas daraus machen

Wutanfälle zu kontrollieren, das fällt jedem Kind schwer! Manche Kinder haben Phasen, in denen sie wirklich jedes Mal wütend werden, wenn sie verlieren, und leiden selbst darunter. Hilfreich kann sein, dann in Ruhe zusammen mit dem Kind zu überlegen, was prinzipiell cool daran wäre, es zu schaffen, keinen Wutanfall zu bekommen. Oder positiv ausgedrückt: Was wäre schön daran, zu lernen, ein guter Verlierer/eine gute Verliererin zu sein? Wenn Kinder wissen, warum sie etwas lernen und was sie davon haben, fällt ihnen die Umsetzung leichter.

4. Halbzeit?! Spiel- und Erholungspausen einbauen

Das Lernen von Gewinnen und Verlieren ist ein gefühlsgeladener Prozess – für manche Kinder mehr, für andere weniger. Manchmal kann man auch je nach Tagesform (oder sogar Tageszeit) zum Beispiel ein guter Verlierer sein und an anderen Tagen, wenn man vielleicht auch noch müde ist, wiederum gar nicht. Spielbeteiligte Erwachsene können spüren, wie emotionsgeladen ein Spiel gerade ist. Hilfreich kann bei hohem Emotionspegel sein, als Erwachsener eine Halbzeit oder kurze Auszeit vor dem spannenden Finale einzufordern. Das erlaubt dem Kind, zur Ruhe kommen, möglicherweise etwas zu trinken, durchzuatmen und ein wenig zu entspannen. In dieser Grundhaltung können Kinder auch blöde Gefühle wie "Mist, ich glaube, ich verliere gleich" besser aushalten.

5. Altersgerechte Spiele und Herausforderungen kennen

Wichtig ist, stets altersgerechte Spiele auszuwählen, die Kinder nicht überfordern. Spiele haben nicht zuletzt deshalb auch immer eine Altersempfehlung. Im häufigen Spielen, Üben und Bewältigen von altersangemessenen Herausforderungen und Aufgaben können Kinder ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen. Das hilft wiederum, Niederlagen besser einzustecken.

6. Es gibt Gewinner, Verlierer – und Spezialisten

Fast alle Kinder haben in bestimmten Alters- und Lernphasen auch bestimmte Lieblingsspiele, die sie besonders gern spielen und irgendwann auch besonders gut können. Vielleicht gibt es sogar in jeder Familie kleine Spezialisten für bestimmte Spiele. Zum Beispiel als Memory-Spezialist mal bei einem anderen Spiel zu verlieren, ist unter Umständen nicht ganz so schmerzhaft. Immerhin ist und bleibt man ja trotz der Niederlage ein Spezialist.

7. Mit gutem Beispiel "voranspielen"

Kinder sind unglaublich genaue und aufmerksame Beobachter, denn viele Verhaltensweisen lernen sie "am Modell" – sprich: Sie schauen, wie Mutter, Vater oder andere Vorbilder sich in bestimmten Situationen verhalten, und machen genau das nach. Erwachsene sind also für Kinder auch Vorbilder darin, mit emotionsgeladenen Situationen wie einem Sieg oder einer Niederlage umzugehen. Für Eltern ist es also wichtig, sich diese Vorbildfunktion klarzumachen, mit gutem Beispiel "voranzuspielen" und den Kindern vorzuleben, wie man ein fairer Gewinner und ein guter Verlierer sein kann.
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