Andere Länder, andere Sitten

Gilt das auch für die Kultur des Spielens? Und für die Erziehung?

„Man muss reisen, um zu lernen.” – Mark Twain

Nie war die große, weite Welt weiter als in diesem Sommer. Durch die weltweite Pandemie, wurden ferne Länder unerreichbar, die meisten Menschen blieben daheim- auch mal schön, aber in der Regel nur mäßig aufregend. Weil, was gibt es interessanteres als fremde Kulturen zu beobachten und erforschen?

Wenn man sich beispielweise dafür interessiert, wie Kindererziehung in verschiedenen Ländern funktioniert, ist die Beobachtung des Geschehens vor Ort wirklich aufschlussreich. Auch völlig ohne Sprachkenntnisse. Wichtig ist zu betonen, dass natürlich alles was hier zu der Erziehung der Nationen zu lesen ist, verallgemeinert. Wie in Deutschland gibt es natürlich in jedem Land Unterschiede, wir fassen lediglich die grobe „Richtung“ zusammen. Welche Eltern in Deutschland würden sich gerne in die Schublade der „typisch deutschen“ Erziehung stecken lassen? Aber es gibt Dinge die sind länderspezifisch und wir Eltern folgen in der Regel diesen Werten. In Deutschland halten Eltern Aufenthalte an der „frischen Luft“ zum Beispiel für besonders wertvoll und es gilt im Allgemeinen als gut, den Kindern beim Toben ruhig etwas zuzutrauen, auch wenn sie dafür Risiken eingehen. Ich habe mich vor kurzem mit einer vietnamesischen Mama unterhalten, die betonte beide Werte deutscher Erziehung als besonders gut. Mir war das bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst.

Andere Länder- andere Eltern

In jeder einzelnen Sekunde werden weltweit zwei Kinder geboren. Wie sie heranwachsen und erzogen werden, hängt zum großen Teil davon ab, wo sie leben. Denn in Sachen Erziehung gibt es von zu Land zu Land, von Kultur zu Kultur große Unterschiede.
Was aber tatsächlich alle Nationen gemeinsam haben, sind der Spaß und das gemeinsame Erlebnis beim Spielen. Gibt es im Vergleich einzelner Länder dabei Unterschiede im Spielverhalten? Thomas Zumbühl, Internationaler Produktmanager für Kleinkind-Vorschule und Spiele bei Ravensburger, kennt die Vorlieben der Nationen! Lesen Sie hier was er zu berichten hat!
Italienische Flagge

In Italien sind die Kleinen das Größte!

Wer schon mal in Italien im Urlaub war, der weiß: Die Italiener sind eine extrem kinderliebe Nation. Sie lieben die bambini (italienisch für Kinder) aus tiefstem Herzen und nehmen die Erziehung nicht so genau. Gerade die Kleinsten scheinen in Italien sogar eine Art Freifahrtschein zu haben und dürfen so ziemlich alles machen. Nachts in der Pizzeria unter den Stühlen fangen spielen? Warum denn auch nicht?
Wo deutsche Mütter sich sofort um Uhrzeit, Lautstärke und andere Gäste sorgen würden, lachen die Italiener mit den Kindern.


Spielkinder

Wenn man denkt, dass alle Italiener ohne Regeln aufwachsen, der irrt. Es gibt einige Parameter die gesellschaftlich fest verankert sind und durch die Generationen weitergegeben werden. Die Familie steht an erster Stelle, Achtung und Respekt vor Älteren sind für jeden Italiener selbstverständlich. So sehr sich die Kleinsten austoben dürfen, so reglementiert läuft das Kinderleben nach der Einschulung.
Französische Flagge

Strenges Frankreich

Im Nachbarland Frankreich hingegen scheinen Strenge und Konsequenz in der Erziehung zu regieren. Jedenfalls sind die Manieren der Kinder in Frankreich meist sehr gut und tadellos. Auffallend ist im französischen Schulsystem, dass es fast ausschließlich Ganztagsschulen gibt. Auch hier scheint eine Quelle für kindliches Verhalten, dass sich an der Allgemeinheit orientiert zu sein.
Viele Kinder sind ganztags betreut und Familien leben wesentlich häufiger einen einheitlichen Rhythmus. Das „gute Benehmen“ ist also das Ergebnis vieler Faktoren.


Kinder lernen am Vorbild

Die „gute französische Erziehung“ ist also kein pädagogischer Trick, sondern vielmehr vorgelebtes Verhalten: Die Franzosen gehen z. B. einfach gerne im Restaurant essen und nehmen die Kinder mit. So lernen die Kleinen früh, sich im Restaurant und bei Tisch richtig zu betragen – ganz natürlich und letzten Endes ohne strenge Erziehung.
Japanische Flagge

Japan – Geduld und Vorbild

Von japanischen Eltern haben wir häufig ein eher verzogenes Bild. Woher auch immer das kommt, wir denken an eine sehr strenge Erziehung. Aber wenn ich nachdenke, habe ich zum Beispiel noch nie erlebt, das japanische Eltern laut werden. Bei allen anderen Nationen, die ich zum Beispiel auf dem Spielplatz beobachten konnte wird es- wie bei mir- schon mal laut. Entgegen der allgemeinen Annahme sind japanische Eltern nicht so streng. Tatsächlich dürfen gerade die meisten kleinen Kindern alles tun, was sie mögen – die Eltern lassen ihnen dabei in der Regel viel Freiraum und schränken sie nur selten ein.


Konkrete Konsequenzen

„Aua, das hat mir sehr wehgetan!“ anstatt „Du darfst nicht schlagen!“: Japanische Eltern setzen auf ihre eigene Vorbildfunktion und üben sich ansonsten in Geduld. Sie zeigen den Kindern ganz konkrete Konsequenzen ihrer Aktionen, anstatt das Verhalten über Regeln und Verbote zu steuern. Vielleicht bleibt es deshalb so merklich ruhig auf dem Spielplatz- wer keine Verbote ausspricht, bekommt auch weniger wütende Reaktionen der Kinder.
Türkische Flagge

Türkei – emotional und herzlich

Türkische Kindererziehung könnte man so verallgemeinern: frei und ungehalten als kleine Kinder, als Teenager dafür dann streng kontrolliert und kulturell erzogen. Die Kleinen werden viel geherzt, umarmt und geküsst. Statt Regeln und Grenzen gibt es lebhaftes Austoben und fröhliches Kindsein.

Werte und Traditionen

Die Jugendlichen lernen strenge Regeln und Benimm, denn Religion, Werte und Traditionen haben große Priorität in der Türkei. Die Jugendlichen werden mit einigem Nachdruck im familiären Wertesystem etabliert und häufig in den männlich-weiblichen Rollenmustern erzogen.
Amerikanische Flagge

Erfolgsorientiertes Amerika

In Amerika haben Sicherheit und konsequente, gezielte Förderung der Kinder oberste Priorität. Die Kinder sollen die bestmögliche Ausbildung erhalten, um dadurch im späteren Berufsleben möglichst erfolgreich zu sein. In einem Land ohne soziale Absicherung wie Kündigungsschutz, Arbeitslosen- und Krankenversicherung liegt diese Orientierung auch auf der Hand. Wirklich gut leben lässt es sich in den USA nur mit einem guten Schulabschluss. Damit dies weitestgehend sicher gelingt, sind sie überwiegend unter pädagogischer Betreuung und beginnen bereits im Kindergarten mit dem Lesen, Schreiben und Rechnen.

Gezielte Talentförderung

Performance (dt. Leistung) als ständige Maxime: Neben guten Noten spielen in Amerika auch die außerschulischen Aktivitäten eine sehr große Rolle. Ob Sport oder Musizieren, Theater oder Debattierklub – die Kinder sollen sich bewusst engagieren, wobei Talente besonders gefördert werden. Gesellschaftliches Engagement ist ein wesentlicher Teil der amerikanischen Gesellschaft, die Kinder werden auch hier sehr früh integriert und gefördert.
Afrikanische Flagge

Afrika – von einem Extrem zum anderen

Afrika ist ein Kontinent mit 54 verschiedenen Ländern. Die Unterschiede in der Kindererziehung werden ähnlich derer innerhalb Europas sein. Um aus mangelnder Kenntnis der lokalen Gegebenheiten, nicht einen ganzen Kontinent außer Acht zu lassen, fasse wir einige generell Beobachtungen zu afrikanischen Familien zusammen
Wenn in Afrika ein Baby geboren wird, dann kümmert sich die ganze Familie zunächst hingebungsvoll um den Sprössling: Die Kleinsten werden die meiste Zeit getragen und erfahren viel Nähe und Aufmerksamkeit. Sind die Kinder aus den Windeln raus, wird der Umgang weniger emotional und die Kinder sollen sich in die Familie einfügen.


Afrikanische Kinder toben nicht

In vielen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent sollen sich die Kinder möglichst unauffällig und vor allem leise verhalten. Weinen ist ziemlich verpönt, ebenso wie lautes Geschrei oder respektloses Verhalten. Sind die Kinder unter sich, dann können sie tun und lassen, was sie wollen; sind aber die Eltern anwesend, dann gelten strenge Benimmregeln und Gehorsam als Maxime.
Deutsche Flagge

Und wir Deutschen?

Früher war Kindererziehung in Deutschland reine Privatsache. Ein Akt, der in der Öffentlichkeit kein Thema war – die Erziehung der Kinder wurde daheim geregelt. Heute sind wir Deutschen da viel offener geworden. Das Thema Kindererziehung ist omnipräsent und wir ständig diskutiert.

Liebe und Respekt

Eltern in Deutschland stehen unter einem enormen Druck. Fast scheint es sogar, als wäre es noch nie so schwierig gewesen, alles richtig zu machen. In Sachen Erziehung wird daher alles in die Waagschale gelegt und jeder – Großeltern, Onkel, Tanten, Freunde, Lehrer, ja sogar die Kinder selber – reden mit. Dabei treffen häufig Welten aufeinander, bei Oma waren Respekt und Gehorsam noch wichtige Werte, heute dominiert in Deutschland ein demokratischer Erziehungsstil. Ich sage immer, meine Tochter wird demokratisch erzogen, aber ich bin Regierungschef. Sie sagt das auch.

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