Der Routemaster
– wie der Doppeldeckerbus zur Ikone wurde

Er gilt als Symbol für London und prägt das Stadtbild genauso wie Big Ben oder die Telefonzellen: der rote Doppeldeckerbus. Der AEC Routemaster hat es mit seiner offenen Heckplattform zum Kultfahrzeug gebracht. Heute ist vor allem sein moderner Nachfolger im Einsatz.

Ungewöhnliches Design, große Alltagstauglichkeit

Die rollende Legende wurde bereits ab 1947 von der Associated Equipment Company (AEC) entwickelt, die von 1912 bis 1979 Nutzfahrzeuge produzierte. Am 8. Februar 1956 absolvierte der Routemaster in London seine erste Busfahrt. So ungewöhnlich das Design mit der rechten Fahrerzelle und den offenen Zugängen war, so sehr bewies das Transportmittel seine Alltagstauglichkeit. Denn die offenen Plattformen ermöglichten es den Fahrgästen, jederzeit zu- oder auszusteigen. Gerade im Londoner Stop-and-go-Verkehr erwies sich das „Hop on/Hop off“-Prinzip als äußerst praktisch. Ein Busschaffner half den Fahrgästen dabei und verkaufte gleichzeitig die Tickets.

Warum wurde der beliebte Doppeldecker abgelöst?

1968 verließ der letzte Routemaster die Werkshallen, das Aus des heutigen Kultfahrzeugs zeichnete sich Anfang der 2000er-Jahre ab. Der Schaffner erwies sich als zu kostspielig, zudem bemängelten Kritiker, dass das Fahrzeug nicht behindertengerecht war. Auch die offenen Plattformen galten plötzlich als zu unsicher. 2013 sprach der ehemalige Bürgermeister Ken Livingstone sogar von jährlich etwa 12 Menschen, die während seiner Amtszeit nach einem Sturz von der Plattform gestorben waren. Im Dezember 2005 wurde die Ikone schließlich aus der letzten regulären Linie genommen. Bereits zuvor waren viele Routemaster durch moderne Busse ersetzt worden.

Der Routemaster als Touristenattraktion

Dennoch gilt der Doppeldecker als ein Wahrzeichen von London. Wegen heftiger Proteste gegen seine Ablösung, ist der Routemaster weiterhin als Touristenattraktion bei Busfahrten zu den Sehenswürdigkeiten im ganzen Land unterwegs. Vor allem das Oberdeck eignet sich perfekt fürs Sightseeing. In der britischen Hauptstadt selbst befährt der Routemaster derzeit noch die 15. Heritage (dt.: Kulturerbe)-Linie vom Tower Hill zum Trafalgar Square – und das auch nur am Wochenende von März bis September.

Der New Routemaster oder New Bus for London

Seit Februar 2012 kommt der New Bus for London (NB4L) zum Einsatz. Als Nachfolger des Routemasters hat er ebenfalls eine Heckplattform, die sich jedoch schließen lässt. Er wurde auch „Borismaster“ genannt – nach Boris Johnson, der als damaliger Bürgermeister Londons die Gelenkbusse durch den neuen Doppeldecker ersetzte. Auch der Schaffner wurde zu bestimmten Zeiten wieder eingeführt.

Der London Bus als 3D-Puzzle

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Der Routemaster in Zahlen

• Der Vorläufer des Routemasters kam noch mit echten Pferdestärken voran: Im Jahr 1829 startete der erste Omnibus-Service in London. In dem von drei Pferden gezogenen Wagen fanden 22 Personen Platz.

• Pantone 485 C – das ist der Farbcode des typischen London-Rot, welches die Doppeldecker so unverwechselbar macht. Der Routemaster für die Expresslinien in die Vorstädte wurden jedoch zeitweise grün lackiert.
• Zum silbernen (1977) und goldenen (2002) Thronjubiläum der Queen wurden sogar 25 der Megabusse in Silber und 50 in Gold lackiert.

• Noch heute unterwegs ist zudem ein schwarzer Routemaster von 1960: Einst genutzt, um Särge und Leichenteile durch London auf Friedhöfe zu fahren, ist der “Ghost Bus“ heute eine weitere Touristenattraktion.
• Im Schnitt wog der ursprüngliche Routemaster 7,5 Tonnen, konstruiert in Aluminium-Bauweise, inspiriert von den Flugzeugen der Royal Airforce.

• Insgesamt liefen 2.876 Exemplare des AEC Routemasters vom Band, von denen heute noch 1.280 existieren. Kurios: In der mazedonischen Hauptstadt Skopje ist der Doppeldecker noch regulär zu sehen –
als Neuproduktion eines chinesischen Herstellers.

• Rund 6 Millionen Fahrgäste nutzen heute an jedem Werktag einen der 9.142 Busse (Stand März 2019) in London.

• Zur Peak Time (montags bis freitags von 6:30 bis 9:30 Uhr und von 16:00 bis 19:00 Uhr) sollte man – vor allem im Bankenviertel – das Busfahren in London vermeiden. Es ist nicht nur brechend voll, die Fahrtkosten sind dann teilweise auch höher.
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