Hermann Vinke wird 70
„Das kurze Leben der Sophie Scholl“ hat ihn bekannt gemacht: Hermann Vinkes wichtigstes Buch erschien 1980 und löste bei einer ganzen Generation von jungen Menschen eine anhaltende Faszination für die Widerstandskämpferin aus. Die Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte ist seitdem das Thema für den engagierten Journalisten und Autor zahlreicher Bücher. Vinke gehört inzwischen zu den profiliertesten Jugendsachbuch-Autoren im deutschsprachigen Raum. Mit Titeln wie „Das Dritte Reich“, „Die DDR“, „Die Bundesrepublik“ oder - ganz aktuell - „Wunden, die nie ganz verheilten“ lässt er Geschichte durch Geschichten und Porträts lebendig werden. In seinem Beruf als Reporter hat er aus Japan, den USA und Osteuropa berichtet. Am 21. September 2010 feiert Hermann Vinke seinen 70. Geburtstag.
Über sein Motiv, Bücher für junge Menschen zu verfassen, sagt er: „Jugendliche sind in ihren Denkweisen noch nicht so festgelegt wie viele Erwachsene, haben nicht zu allem schon eine vorgefasste Meinung. Deswegen schreibe ich besonders gerne für Jugendliche.“ Auf die Frage, weshalb er sich auf das Dritte Reich und den Nationalsozialismus konzentriere, antwortet Vinke: „Es ist wichtig, aus der Geschichte zu lernen, damit sie sich nicht wiederholt. Wenn die Ursachen für die Verbrechen der NS-Zeit nicht erkannt und beseitigt werden, wirken sie weiter und richten neues Unheil an.“
Prägend waren seine journalistischen Anfangsjahre im Emsland. Seine Berichte über die im Dritten Reich errichteten Emslandlager und die Haltung der Bevölkerung zur NS-Zeit führten zu Spannungen mit Vorgesetzten und politischen Auseinandersetzungen vor Ort. „Dies waren entscheidende Lehrjahre, die mich nachhaltig beeinflusst haben.“ Die Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit und der jüngsten deutschen Geschichte wurde so zu seinem Lebensthema.
Für seine Jugendbücher erhielt er einige der wichtigsten Literaturpreise, u.a. 1981 den Deutschen Jugendliteraturpreis für „Das kurze Leben der Sophie Scholl“.
Hermann Vinke wurde 1940 in Rhede/Ems geboren. Nach einem Volontariat bei der Neuen Tagespost Osnabrück war er von 1963 bis 1970 Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen. Zwischen 1971 und 1975 studierte er nebenberuflich Geschichte und Soziologie an der Universität Hamburg. Bis 1981 arbeitete er als Redakteur beim NDR in Hamburg und war anschließend fünf Jahre ARD-Korrespondent für Ost- und Südostasien mit Sitz in Tokio. Die nächste Station seiner Korrespondenten-Laufbahn hieß Washington D.C. – Berichterstattungsgebiet waren Nord- und Mittelamerika. 1990 kehrte Vinke nach Deutschland zurück und leitete in Berlin das ARD-Hörfunkstudio Ostdeutschland. Als Reporter erlebte er die Friedliche Revolution und die deutsche Wiedervereinigung. Von 1992 bis 2000 war er Programmdirektor bei Radio Bremen. Danach berichtete Vinke über Ostmitteleuropa und das Baltikum.
Hermann Vinke lebt heute als freier Autor in Bremen.
Bücher von Hermann Vinke im Ravensburger Buchverlag
Das kurze Leben der Sophie Scholl (1980)
Das Dritte Reich (2005)
Hoffentlich schreibst Du recht bald. Sophie Scholl und Fritz Hartnagel – Eine Freundschaft 1937 – 1943 (2006, zur Zeit nicht im Programm)
Die DDR – Eine Dokumentation (2007)
Die Bundesrepublik – Eine Dokumentation (2008)
Wunden, die nie ganz verheilten (2010)